Zucker statt Verhütung

Maria ist sich ganz sicher. Sie hat es nur allzuoft beobachtet – immer, wenn sie Zucker isst, vergeht ihr jede Lust auf ..., hebt aber ihre Lust und Gier auf Süßes um so mehr an. So schreitet sie Tag um Tag mal in dieses, mal in jenes Geschäftlein, kauft sich hier eine Zuckerei, dort ein Leckerli.
Genussvoll ?– ja, genießen kann sie immer und immer wieder – steckt sie Süßigkeit um Süßigkeit in ihr zuckersüßes Mäulchen, lässt sie im selbigen zerschmilzen. Sie spürt ihr nach, ertastet mit ihrer Zunge, wie sich der Geschmack ausbreitet in ihrem Mund, fühlt nach, wie Zähne, Zunge und ihr Gaumen mit den kleinen Zuckerpartikelchen bestäubt werden. Tränen rinnen ihre Wangen hinab, als sich der süße Saft köstlichst in der Speiseröhre verteilt, ihre Innereien marzipanal und nougatel veredelt.
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Wirkungsvolle Werbung

Werbung ist schon was Putziges! Da bekommen wir Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr unzählige Werbeprospekte frei Haus geliefert. Informiert sollen wir werden über die neuesten Errungenschaften aus Technik und Medien, die köstlichsten Leckereien und die Supersonderangebote der Günstigkeiten, die es gerade bei der einen oder anderen Firma zu erwerben gibt. Und noch hipper ist, wer es versteht, geschickt personalisierte Werbung zu machen.
Und so trug es sich eines Tages zu, dass auch Fridoline Maria von der Heide eine äußerst persönliche Werbung erhielt. Fridoline war höchst verärgert, wohl wurde sein Name mit einem 'e' am Ende geschrieben, aber es war doch ein stummes, französisches 'e'! Wie kann aus so etwas Banalem geschlossen werden, dass es sich bei ihm um eine weibliche Person handeln könnte? Bestimmt wegen des Maria als zweites Namensbeiwerk. Was seine Eltern sich bei seiner Namensgebung gedacht hatten, war ihm immer schon ein Rätsel gewesen. Dennoch ist er nicht der einzige Mann, der Maria als Zweitnamen führte. Fridoline erregte sich zu Höchstgraden.
»Diese sogenannte personalisierte Werbung ist ja wohl das Al-ler-letz-te! Unverschämtheit! Wer hat sich denn diesen Mist ausgedacht?! Muss ich da erst hingehen und meinen Sack samt Stößel auf den Tisch packen, um meine Männlichkeit zu beweisen? Oder was?!«
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Die Razzia

»Wer sich in die Hände des Teufels begibt, ist auf ewig verloren. Wer seine Seele dem Teufel verkauft, wird in ewiger Verdammnis schmoren«, liest Lilli fast schon gelangweilt auf der Tür im Damenklo und fragt sich, ob der Verfasser dieser Sätze jemals die Hölle auf Erden erlebt hat. Der Verfasser? Wohl eher die Verfasserin. Aber wer weiß das so genau heutzutage?
Sie kennt diese Hölle nur allzu gut, wo tagtäglich ums nackte Überleben gekämpft wird. Nein, nicht nur tagtäglich, stündlich. Wo wandelnde Fleischklumpen vor Äonen, wie es scheint, ihre Seele an irgendwelche Ausgeburten der Hölle verkauft haben, um ihr scheinbar minderwertiges, verkrüppeltes Dasein nicht betrachten zu müssen, sondern vergiftetes Dauerträumen pachten zu können.
Verächtlich betrachtet sie sich selbst jetzt im Schaufenster und findet, dass sie nicht gerade frisch aussieht. Mensch könnte sie leicht auf Mitte zwanzig schätzen, dabei ist sie nicht mal 17 Jahre alt.
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